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Startseite News & Termine Creditreform News Online-Archiv Archiv 2010 Aktuelle Analyse: Mittelstand in Österreich

Wirtschaftslage Mittelstand in Österreich, Herbst 2010

Konjunkturindikatoren im Aufwärtstrend - aber Vorkrisenniveau noch nicht erreicht

Wien, 28.10.2010

Die Stimmung im österreichischen Mittelstand ist gut. Gefragt nach seiner Einschätzung der aktuellen Geschäftslage antwortet jeder zweite der knapp 1.800 befragten mittelständischen Unternehmer (52,1 Prozent) mit „gut“ oder „sehr gut“. Das ist ein um 16,6 Prozentpunkte höherer Wert als noch im vergangenen Herbst, als 35,5 Prozent der Befragten dieser Meinung waren. Neun Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage derzeit mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ (Vorjahr: 16,5 Prozent). Die verbesserte Geschäftslagenbeschreibung zieht sich durch alle vier Hauptwirtschaftsbereiche.

Umsätze: Verbesserung auf niedrigem Niveau

Jedoch ist die Stimmung besser als die tatsächliche Lage: So befindet sich der „harte“ Konjunkturindikator Umsatzentwicklung insgesamt noch auf einem niedrigeren Niveau. So erzielten 40,6 Prozent der Befragten im vergangenen halben Jahr Umsatzsteigerungen (Herbst 2009: 33,8 Prozent). Jeder fünfte mittelständische Betrieb verzeichnet dagegen ein Umsatzminus (21,6 Prozent; Vorjahr: 32,3 Prozent).

Schlechter sieht es bei der Ertragslage aus. Der Anteil der Unternehmen, die in den vergangenen Monaten steigende Gewinne verbuchten, fällt mit 28,0 Prozent nur etwas höher aus, als der Anteil der Unternehmen, bei denen die Erträge gesunken sind (27,6 Prozent). Der Ertragssaldo erreicht mit plus 0,4 Punkten nur knapp den positiven Bereich.

Fast jeder vierte Betrieb (23,5 Prozent) stockte in den zurückliegenden sechs Monaten seinen Personalbestand auf. Im Jahr zuvor war dies lediglich bei 17,2 Prozent der Unternehmen der Fall. Nur 13,6 Prozent der Befragten mussten sich seit dem vergangenen Frühjahr von Mitarbeitern trennen, nachdem es bei der letztjährigen Umfrage noch 35,7 Prozent waren. Damit sorgt der Mittelstand per Saldo für einen positiven Beschäftigungsbeitrag.

Erwartungen sind besser als die Lage – mit Ausnahme der Beschäftigungspläne

Der Mittelstand gibt sich optimistisch: Jedes dritte Unternehmen (34,5 Prozent) rechnet in den kommenden Monaten mit steigenden Umsätzen – im Jahr zuvor waren es nur 21,1 Prozent. Sinkende Umsätze prognostiziert nur jeder Achte (13,1 Prozent, Vorjahr: 25,0 Prozent).

Auch die Ertragsaussichten sind überwiegend positiv: Ein Drittel der Befragten (33,8 Prozent) rechnet damit, in den kommenden Monaten steigende Gewinne zu verbuchen. Von sinkenden Erträgen geht fast jeder Vierte (23,9 Prozent) aus. Der Ertragssaldo fällt mit plus 9,9 Punkten positiv aus.

Deutlich zurückhaltender äußern sich die Mittelständler hingegen zu ihren Personalplanungen. Insgesamt wollen lediglich 13,3 Prozent der Unternehmen in den kommenden sechs Monaten zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Den Personalbestand verkleinern werden aller Voraussicht nach 12,7 Prozent der Unternehmen – d. h., unterm Strich dürfte die Beschäftigtenzahl im Mittelstand kaum wachsen (Saldo: plus 0,6 Punkte).

Dagegen springt die Investitionstätigkeit im Mittelstand langsam wieder an: Mittlerweile ist jeder zweite befragte Unternehmer bereit, in den kommenden Monaten Investitionen durchzuführen (50,7 Prozent) – im Vorjahr waren es 47,5 Prozent.

Kunden zahlen wieder pünktlicher, aber weiterhin restriktive Finanzierungsbedingungen

Konnten im vergangenen Jahr nur 58,3 Prozent der Betriebe die fristgerechte Bezahlung der Rechnungen innerhalb von 30 Tagen melden, sind es in diesem Jahr immerhin 60,3 Prozent. Während bei Kunden aus der Privatwirtschaft fast drei Viertel der Befragten (72,2 Prozent) innerhalb eines Monats an ihr Geld kommen, ist dies bei Kunden im öffentlichen Sektor nur bei 42,7 Prozent der Fall. An diesem Punkt dürfte eine neue EU-Regelung aber in den kommenden Jahren für Abhilfe sorgen. Danach sind öffentliche Stellen angehalten, ein generelles Zahlungsziel von 30 Tagen einzuhalten. Bis zu drei Monate und länger warten derzeit noch immer 11,3 Prozent der Lieferanten und Leistungserbringer, ehe ihre Forderungen ausgeglichen werden (Vorjahr: 14,1 Prozent).

Der Zugang zu Finanzierungsmitteln ist heute für 45,5 Prozent schwieriger als noch vor einem Jahr. Damit bleibt die Finanzierungssituation für viele Betriebe weiterhin angespannt. Insbesondere für den Dienstleistungssektor (51,2 Prozent der Befragten) hat sich die Unternehmensfinanzierung verschärft.

Unternehmensinsolvenzen: Rückgang um sechs Prozent

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen entwickelt sich rückläufig: In den ersten drei Quartalen des Jahres wurden mit 4.971 Verfahren sechs Prozent weniger Fälle gezählt als in der Vorjahresperiode. Der Rückgang der Firmeninsolvenzen hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Neben der starken Binnenmarktfokussierung vieler kleiner und mittlerer Betriebe, haben die Inanspruchnahme der Kurzarbeit sowie die staatlichen Konjunkturprogramme zur Stabilisierung beigetragen.

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